Ein gelungener Start in das Jubiläumsjahr 60 Jahre Albert Schweitzer-Kinderdorf

„Karibu, Karibu“ sangen die Schüler und Schülerinnen der Josef-Helmer-Schule in Waldenburg. Das bedeutet „Herzlich willkommen“ auf Suaheli und damit startete die „Albert-Schweitzer-Woche“. In diesem Jahr feiert das Albert-Schweitzer-Kinderdorf sein 60-jähriges Jubiläum. Das brachte die beiden Organisatorinnen, Schulleiterin Annette Gundel-Hedrich und Bücherei-Leiterin Renate Mutschler-Schüz, auf die Idee, dass sich einmal eine Woche lang alles um den berühmten Namenspaten des Kinderdorfes drehen soll. Drei namhafte Experten zu Albert Schweitzer haben sich dazu auf den Weg nach Waldenburg gemacht.

Dr. Gottfried Schüz (links), Dr. Wolf Kalipp und Dr. Roland Wolf

Die Steinschleuder

„Auch Albert-Schweitzer war mal klein…“ war das Thema der Kinder-Uni von Dr. Gottfried Schüz, Pädagoge und Vorsitzender der Stiftung Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum in Frankfurt/Main. „War der kleine Albert ein braver Pfarrerssohn?“, fragte er die Viertklässler. „Nein, er war ein Bub genauso wie Ihr.“ Lebendig und anschaulich erzählte Dr. Schüz, welches Erlebnis den jungen Albert schon früh zum Nachdenken gebracht hatte. Als sein Freund ihm vorschlug, mit der Steinschleuder Vögel zu schießen, war Albert zunächst sofort mit dabei. Gerade, als er die Schleuder anlegte, begannen die Kirchenglocken zu läuten und haben ihm das Gebot „Du sollst nicht töten“ direkt ins Herz geläutet, wie Albert Schweitzer das Erlebnis später schilderte. Sich von Gruppenzwang zu befreien, das ist auch heute, wo Mobbing immer mehr zunimmt, ein aktuelles Thema. 1915 entwickelte Albert Schweitzer den Schlüsselbegriff „Ehrfurcht vor dem Leben“. Gut ist, Leben zu erhalten und zu fördern. Schlecht ist, Leben zu beschädigen und zu zerstören. Die Schulkinder hatten das Prinzip sofort verstanden und widersprachen Dr. Schüz energisch, als er die Kinder testete: „Aber das gilt doch nicht für Ratten. Oder Spinnen, die sind doch eklig. Seid Ihr ganz sicher?“ Abschließend konnten die Kinder bei einer Wer-wird-Millionär-Ausgabe speziell zu Albert Schweitzer ihr Wissen zeigen und beantworteten alle Fragen richtig.

Die vierte Klasse hat die Ethik Albert Schweitzers wunderschön illustriert.

Ein lustiges Instrument

Albert Schweitzer war nicht nur Philosoph und Theologe, sondern auch ein begnadeter Orgelspieler, der zahlreiche Konzerte gegeben hat. Um den Kindern den Musiker Albert Schweitzer näher zu bringen, lud Dr. Wolf Kalipp, Organist und Dozent für Musikpädagogik, zu einer hochinteressanten Kinder-Uni in die Stadtkirche von Waldenburg ein. Die Kinder hatten in der Vorbereitung einen Notenbaum mit allen Noten, die es gibt, gebastelt. Bereits mit fünf Jahren bekam Albert Schweitzer Klavierunterricht und mit acht Jahren begann er, Orgel zu spielen. Bald darauf vertrat der kleine Albert schon den Organisten in seiner Heimatkirche. Zunächst erklärte Dr. Kalipp den Kindern, wie Albert Schweitzers Lieblingsinstrument funktioniert. Schnell verstanden die Kinder, dass die Orgel eine Sammlung von vielen unterschiedlichen Blockflöten ist. Dann konnten sie erraten, wie viele Pfeifen die Waldenburger Orgel hat: 1100 Pfeifen – und dabei handelt es sich noch um eine kleine Orgel. „Ich zeig Euch was, die Orgel ist nämlich ein lustiges Instrument“, versprach Dr. Kalipp. Die Drittklässler versammelten sich um die Orgel und waren fasziniert, was für verschiedene Klangfarben die Orgel mithilfe der Register erzeugen konnte: von tieftraurig, zart und leise über fröhlich pfeifend bis gewaltig wie ein ganzes Orchester. Begleitet von der Orgel sangen die Kinder zum Schluss anlässlich des nahen Frühlings „Im Märzen der Bauer“.

Gebannt verfolgen die Kinder das Orgelspiel.

Nur ein Nashornkäfer

„Es gibt in Lambarene keine Nashörner, nur den Nashornkäfer“, musste Dr. Roland Wolf den Kindern beim Afrika-Nachmittag zunächst gestehen. Die Kinder hatten für den Veranstaltungsraum bunte Bilder mit afrikanischen Tieren gemalt. Mit 30 Jahren hatte Albert Schweitzer nämlich beschlossen, Medizin zu studieren, um Menschen helfen zu können. Als er von dem Ärztemangel in Afrika hörte, ging er nach Lambarene und errichtete mitten im Urwald ein Spital, das bis heute existiert. Dr. Roland Wolf engagiert sich im Vorstand des „Deutschen Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital“ und ist schon rund 55 Mal nach Lambarene gereist. Daher konnte er seine Zuhörer mit vielen Fotos und Erzählungen beeindrucken. Schneit es in Afrika? Haben Afrikaner auch mal eine Erkältung? Feiern die Leute da auch Weihnachten? Hat der Junge, der wegen eines Geschwürs am Bein 2 ½ Jahre im Spital war, schlimme Schmerzen gehabt? Die Kinder hatten viele Fragen an den Experten und erfuhren, dass sich die Menschen in Lambarene in der Trockenzeit, wenn die Temperatur auf 21 °C sinkt, auch einmal einen Schnupfen holen können und dass sie Weihnachten ohne Tannenbaum feiern, wobei die meisten sich keine Geschenke leisten können.

Dr. Wolf und Renate Mutschler-Schüz werden von den wissbegierigen Kindern umringt.

Angebote auch für Erwachsene

Auch für Erwachsene boten die drei Referenten in dieser Woche besondere Veranstaltungen. Dass Albert Schweitzer heutzutage keineswegs ausgedient hat, zeigte Dr. Schüz in einem Seminar für die Mitarbeiter des Albert-Schweitzer- Kinderdorfes und vermittelte wichtige Impulse für die pädagogische Arbeit. In der Musik Bachs sah Albert Schweitzer einen Weg, die Menschen zu Besinnung und Frieden zu führen. Diese Erfahrung konnten die Besucher der „Orgelmesse des jungen Johann Sebastian Bach“ machen, die Dr. Kalipp zusammengestellt und in der Stadtkirche Waldenburg spielte. Der über hundertjährigen Geschichte des Albert-Schweitzer-Spitals im heutigen Gabun lauschten zahlreiche Zuhörer, die Dr. Wolf mit seinem lebendigen Vortag nach Lambarene führte.

Selten aufgeführte Musikstücke Bachs konnten die Zuhörer genießen.

Hier wohne ich

Am letzten Tag öffneten die Kinderdorffamilien ihre Türen, um den Kindern zu zeigen, wie sie hier leben. Zur Einstimmung wurden Videoclips gezeigt, die deutlich machten, dass es im Kinderdorf von allem etwas mehr gibt. Davon konnten sich die Kinder dann bei der Führung durch das Haus selbst überzeugen und sie wollten ganz genau wissen, wie viele Zimmer ein Haus hat und wie viele Kinder da wohnen. Bei einem leckeren MITEINANDER-Buffet, vorbereitet vom Café-Team des TrEFFs, ging die aufregende Albert-Schweitzer-Woche zu Ende. Für diese eindrückliche Woche gilt all den vielen helfenden Händen ein herzliches Dankeschön.

Zum Abschluss der Albert-Schweitzer-Woche gab es für alle ein gemeinsames Buffet.

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