Kinderdorf Sachsen

Zusammen mit meinen beiden Schwestern wuchs ich in meiner Herkunftsfamilie in unbeständigen Verhältnissen auf: Wir zogen häufig um, unsere Eltern tranken viel Alkohol, brachten regelmäßig wechselnde Partner mit nach Hause und oft blieb unsere Mutter längere Zeit ganz weg. Dann musste sich unser Vater alleine um uns kümmern. Nach einiger Zeit merkte er, dass er mit der Situation überfordert war und wandte sich hilfesuchend ans Jugendamt, eine Familienhilfe wurde installiert. Da sich unsere Situation trotz der Unterstützung nicht verbesserte, kamen wir Geschwister 1993 in ein Dresdener Kinderheim. Anfangs besuchten uns unsere Eltern regelmäßig, allerdings wurden die Besuche immer sporadischer. Zwei Jahre nach Einzug ins Heim brach der Kontakt vollständig ab. Daraufhin übernahm das Jugendamt die Vormundschaft und suchte nach einer Familie für uns.

1997 zogen wir in das Albert-Schweitzer-Kinderdorf Sachsen in Steinbach bei Dresden. Der Umzug brachte Schulwechsel und das Einleben in eine neue Umgebung mit sich, doch für uns war es das wichtigste, dass wir zusammen bleiben konnten. Die Aufnahme in die neue Familie war herzlich und im Laufe der Zeit entstand eine enge Beziehung zu den Hauseltern und Pflegegeschwistern. 2003 nahm unsere Kinderdorfmutter Kontakt zu unseren leiblichen Eltern auf, so dass wir unsere Herkunftseltern wieder regelmäßig sehen konnten.

Mit der Unterstützung von unseren Hauseltern und Erziehern gelang uns allen dreien der jeweilige Schulabschluss. Nach dem Realschulabschluss ergriff ich meine Chance und genoss ein Austauschjahr in Brasilien. Wieder zurück in Deutschland machte ich eine Berufsausbildung zum Sozialassistenten und zog nach Dresden in eine eigene Wohnung. Auch hier unterstützten mich meine Hauseltern noch regelmäßig. Nach erfolgreichem Abschluss machte ich eine weitere Ausbildung zum Heilerziehungspfleger, welche ich ebenfalls erfolgreich abgeschlossen habe.

Seit Mitte 2011 lebe und arbeite ich in meinem Beruf in der Nähe von Stuttgart. Seit drei Jahren wohne ich mit meiner Freundin zusammen und noch heute pflege ich einen guten Kontakt zu meinen ehemaligen Hauseltern und komme sie oft mehrmals im Jahr besuchen.

Bernd aktuell

Bernd, ehemaliges Kinderdorfkind, heute Heilerziehungspfleger

„Das Besondere am Kinderdorf war für mich die Nachbetreuung. Ich musste nicht von einem Tag auf den anderen ins kalte Wasser springen, sondern erhielt auch nach dem Auszug noch Unterstützung.“

Bernd früher

Bernd mit neun Jahren beim Festumzug

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