Auch für Albert Schweitzer war der Start ins neue Lebensumfeld ein Wagnis. Am 16. April 1913 kam er gemeinsam mit seiner Frau Helene in Lambarene in der französischen Kolonie Gabun an.

Von der Anlegestelle des Flussdampfers ruderten die Knaben der Missionsschule sie in einem Einbaum bis zur Missionsstation. Ängstlich klammerte sich das Ehepaar an dem schmalen Boot fest, das bei der geringsten Bewegung drohte, aus dem Gleichgewicht zu geraten. Und dann erblickten sie auf einer Anhöhe, zwischen Wasser und Urwald, die Gebäude der Mission.

Der Arzt Schweitzer wurde dort sehnsüchtig erwartet. Viele Missionare waren im feuchtheißen, für Europäer nur schwer erträglichen Klima Gabuns an Malaria oder anderen Tropenkrankheiten gestorben. Und auch die afrikanische Bevölkerung wartete ungeduldig auf den ersten Doktor außerhalb der weit entfernten Hauptstadt.

Nach Einbruch der Nacht saßen Schweitzer und seine Frau auf einem Koffer und hörten ergriffen dem Zirpen der Grillen und dem Choral der Schulkinder bei der Abendandacht zu. Doch schnell wich die Ergriffenheit der afrikanischen Realität. Schweitzer schreibt: „Da kriecht ein hässlicher Schatten an der Wand herunter. Ich schaue erschreckt auf und erblicke eine mächtige Spinne. Sie ist mindestens fünfmal so groß als die stattlichste, die ich je in Europa gesehen.“

Noch waren die 70 Kisten nicht ausgepackt, da standen bereits die ersten Patienten Schlange. Doch die versprochene Wellblechbaracke war nicht fertig geworden. In der Not wurde ein ehemaliger Hühnerstall hergerichtet und zum Spital ernannt. Der Raum war fensterlos und heiß, doch Schweitzer war glücklich. Sein unmittelbares menschliches Dienen hatte begonnen.

Dr. Roland Wolf, Deutscher Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene e.V.

Helene und Albert Schweitzer 1913 in Lambarene

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