Vor dem Auszug

Die Umzugskisten sind gepackt. Morgen geht es los: Anne zieht in ihre eigenen „vier Wände“. Sie verlässt unsere Einrichtung nach drei Jahren. Mit einem lachenden und weinenden Auge – die Begeisterung, aber auch Beklommenheit sind ihr deutlich anzumerken. Ein Gefühl des Abschieds liegt in der Luft. Den letzten Abend verbringen wir noch einmal gemeinsam in der Gruppe.

Mit 15 Jahren kam Anne in die Verselbständigungsgruppe des Familienwerks Sachsen-Anhalt, die junge Heranwachsende auf ein eigenständiges Leben vorbereitet. Schnell fand sie Anschluss und baute ein gutes Verhältnis zu den Betreuer*innen auf. Gern nutzte sie die Möglichkeit für Einzelgespräche. Nach kurzer Zeit freundete sie sich mit ihrer gleichaltrigen Zimmernachbarin an. Beide teilen ein ähnliches Schicksal – so etwas verbindet.

Anne und wir schauen auf eine intensive und manchmal nervenaufreibende Zeit im „Betreuten Wohnen“ zurück. Doch wir – besonders Anne – haben es gut gemeistert. Sie weiß, wie sie mit Geld umgehen muss, kennt sich in Behördengängen aus, kann sich selbst versorgen und lecker bekochen und kennt Strategien, wie sie mit persönlichen Krisen umgehen kann.

Ihre Zimmernachbarin ist heute Abend auch da. Sie nimmt Anne fest in den Arm und schenkt ihr ein aufbauendes Lächeln. „Jetzt bist du dein eigener Herr“, sagt sie und freut sich für ihre Freundin.

Auf Wunsch wird Anne noch weitere sechs Monate lang eine Nachbetreuung in ihrer Wohnung durch ihre vertrauten Erzieher*innen erhalten. Wir freuen uns schon jetzt darauf, Anne in den nächsten Monaten wiederzusehen, uns mit ihr auszutauschen und von ihren ersten Erfahrungen zu hören. Und wünschen ihr ein gutes Ankommen.

Sven König und Mandy Faßbutter, Familienwerk Sachsen-Anhalt