Pädagogische Fachkräfte teilen tagtäglich das Leben, Lieben und Leiden der von ihnen betreuten Kinder und Jugendlichen. Eine gute pädagogische Fürsorge beinhaltet dabei immer auch das empathische „Mit-Fühlen“ und „Mit-Leiden“ und bringt die Erziehenden oftmals an ihre Grenzen. Welche Formen der Unterstützung erhalten unsere Profis, um ihren anspruchsvollen pädagogischen Aufgaben gerecht zu werden?

Im Alltag der Kinder kommen Gefühle wie Angst, Hoffnungslosigkeit, Wut und tiefe Traurigkeit immer wieder zum Ausdruck. Oft werden sie stellvertretend durch emotionalen Rückzug, verbale und körperliche Aggressionen oder psychosomatische Erkrankungen offenkundig und belasten die Kinder, aber auch deren Helfer*innen sehr. Um die Gefühlslagen der Kinder dann richtig erkennen und annehmen zu können, braucht es viel pädagogisches Wissen, (ehrlich gesagt) auch Nervenstärke, Geduld, zwischenmenschliches Geschick und – trotz eines gut gefüllten Alltags – viel Zeit und Ruhe. Kinder verarbeiten ihre Erlebnisse zu jeder Tages- und Nachtzeit und überall. Nachts müssen die Helfer*innen oft ein Auge und ein Ohr offenhalten, weil viele der Kinder regelmäßig Alpträume haben, beruhigt und getröstet werden müssen. Gerade Neuankömmlinge brauchen viel Zeit, um in ihrem neuen Zuhause gut ein- und durchschlafen zu können. Auch an einem freien Vormittag kann es passieren, dass die Schule sich meldet, weil eines der Mädchen oder einer der Jungen plötzlich und unerwartet psychosomatisches Bauchweh oder Kopfschmerzen bekommen hat und deshalb abgeholt werden muss.

Pausen und ein kollegiales Team

Daher benötigen die Helfenden neben hohen Kompetenzen zudem regelmäßige Ruhephasen oder auch mal längere Auszeiten, um neue Kraft tanken zu können. Diese Ruhephasen sind selten und wären gar nicht möglich, wenn es keine routinierten Teams gäbe, die vertrauensvoll zusammenarbeiten und sich die Verantwortung fair aufteilen. Ohne verlässliche Partner ist der Alltag mit traumatisierten Kindern nicht zu schaffen. Auch hauswirtschaftliche Hilfen, Lesepat*innen und ehrenamtlich Engagierte sind dabei „Gold wert“.

Fachliche Beratung und Weiterbildung

Eine dritte wesentliche Komponente der Unterstützung darf nicht fehlen, damit die Arbeit der Pädagogik-Profis möglich ist: Das ist der begleitende, fachliche Austausch mit Berater*innen, die nicht in das Beziehungsgeflecht zwischen Kindern und Helfenden eingebunden sind. Das sind in der gelebten Praxis unserer Kinderdörfer und Familienwerke oft Supervisor*innen. Sie können den Helfenden deutlich machen, welche eigenen Emotionen und oft unbewussten Reaktionen ausgelöst werden, wenn Kinder trauern, wütend sind und besondere – oft auch das Umfeld belastende Verhaltensweisen – zeigen.

Auch fachspezifische Fort- und Weiterbildungen, wie etwa zu den Fachthemen Traumapädagogik und Deeskalation, helfen den Helfer*innen, ihren Alltag mit den Kindern besser bewältigen zu können. Dabei ist es die Aufgabe einer unterstützenden Einrichtungsleitung, den finanziellen und organisatorischen Rahmen zu garantieren. Sprich, dass all die aufgezählten Hilfen für die Helfenden kontinuierlich zur Verfügung stehen. In diesem Miteinander liegt ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Und unser Erfolg ist eine glücklichere Zukunft für traumatisierte Kinder und Jugendliche.

Inka Peters, Familienwerk Mecklenburg-Vorpommern