„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“
Das bekannte Zitat stammt aus dem Drama „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller, der bereits vor rund 200 Jahren um den Wert einer guten Nachbarschaft wusste. Heutzutage ist es in Großstädten leider keine Seltenheit, dass etliche Menschen auch nach Jahren nicht wissen, wer rechts und links von ihnen lebt.

Im Kinderdorf in Waldenburg wird Nachbarschaftshilfe tagtäglich gelebt. Wenn am Wochenende Brot oder Pommes Frites ausgehen, dann lässt sich mit ein paar Schritten zur Nachbarsfamilie Abhilfe schaffen. Steht ein kurzfristiger Termin an, den eine Kinderdorfmutter wahrnehmen muss, dann findet sich immer ein offenes Haus, in dem die Kinder währenddessen mitversorgt werden. Im Sommer wird gemeinsam der Grill angeheizt und jeder steuert etwas zum Essen bei. Selbstgekochte Marmelade oder Apfelmus machen so ebenfalls die Runde durch das Kinderdorf.

Bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit braucht jede Kinderdorfmutter auch immer wieder einen kleinen Tapetenwechsel. Da hilft es, bei der Nachbarsfamilie einen Kaffee zu trinken und sich auszutauschen. Schließlich haben die Kinderdorfmütter eine gemeinsame Basis.

Besonders schön für die Kinderdorfkinder ist, dass sie ganz unkompliziert bei Freunden am Wochenende übernachten können. Viele Kinder sind untereinander befreundet. „Die Kinder machen das selbständig aus und dann laufen regelmäßig Kinder mit einem Wäschekorb voll Bettzeug durch das Dorf, um bei einer anderen Familie zu übernachten“, erzählt eine Kinderdorfmutter.
Eine gute Nachbarschaft bereichert eben das Leben – nicht nur im Kinderdorf.

Eva Seibel, Kinderdorf Waldenburg

Nachbarschaftshilfe
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