Auf Schnupperpfaden im Waldkindergarten

Bad Tölz/Marion Schöll. Heute sind Lioba, Sebastian und die anderen zum ersten Mal ohne ihre Eltern im Wald.
Sie sitzen dick behost und bemützt auf duftenden Fichtennadeln und sägen an einem Baumstämmchen herum. "Brennholz für unser Lagerfeuer", sagt Katharina Fichtner mit einem Augenzwinkern. Die Umweltpädagogin leitet ehrenamtlich die erste der Schnupperwochen für den Tölzer Waldkindergarten, der im Herbst starten soll.

Der Vormittag im Wald ist für die Kinder ein einziges Abenteuer. Heute morgen haben die schon Gelbbauchunken in einer Pfütze entdeckt. Und da liegt ein angenagter Tannenzapfen "Vom Eichhörnchen", weiß ein Kind und zeigt nach oben in die Baumkronen. Dann stapft das Mädchen zum Lager – ein von Zweigen eingerahmter Kreis, mit Moos gepolstert, einer blauen Regenplane überdacht und mit zwei niedrigen Ast-Toren versehen – und holt sich Kirschen vom Tisch, einem Baumstumpf. Es sind nicht mehr viele da, die Drei- bis Vierjährigen haben schon einen Wettbewserb im Kirschkern-Weitspucken hinter sich. Die Gesichter sehen dementsprechend aus. Eine Elterninitiative hat den Waldkindergarten angeregt. Katharina Fichtner ist selbst Mutter und Umweltpädagogin in der Wildwechsel Naturschule. "Ich sehe bei erlebnispädagogischen Seminaren, wie wenig Jugendliche in der Natur zu Hause sind", sagt sie. Die Kleinen würden im Kindergartenalter ihren Bewegungsapparat und ihr Selbstvertrauen ausbilden. "Hier lernen sie, wie man auf einen Baum klettert und was dabei gefährlich ist." Weil es kleine Gruppen seien, könnten die Betreuer – derzeit suchen die Eltern nach einer Erzieherin – besser aufpassen. Die Kinder lernen auch, ihre Fantasie zu gebrauchen: Eine seltsame Astgabel wird sofort zu einem Werkzeug umfunktioniert.
Die Trägerschaft wird die Albert-Schweitzer-Stiftung Bayern übernehmen, die auch die Anschubfinanzierung zugesagthat. Gefördert werden Waldkindergärten nur wenn die öffentlich anerkannt sind. "Wir streben das an", sagt Fichtner. Dafür sei ein fester Ausweichraum für Schlechtwetter nötig. Die Elterninitiative hat einen Raum im Evangelischen Gemeindezentrum Tölz in Aussicht, braucht aber dazu den Segen der Gemeinde.Geschäftsführender Beamter Klaus Pelikan sieht jedoch keinen Bedarf für einen weiteren Kindergarten. "Wir haben nichts dagegen, wollen aber auch keine Kosten übernehmen."
Meist sind es die Eltern, die ihre Kinder schicken, manchmal entscheiden die aber selbst. "Ein Bub will nicht in Häusern spielen", sagt Fichtner. Und ein Mädchen sei vor allem deswegen gekommen, weil sie gehört hat dass man im Waldkindergarten sägen darf.

2001-07-20T08:38:00+00:0020. Juli 2001|Bayern|
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