Die dunklen Tage sind vorbei und die Natur lockt mit frühlingshaften Düften. Unsere Kinderdorfkinder zieht es nach draußen und keines hat mehr Lust, Trübsal zu blasen.

Auf der Wiese in unserem Garten liegt verloren eine Möhre und erinnert an den Schneemann, der vor Tagen noch stolz im Garten stand. Neugierig beäugt von unseren drei Laufenten, fünf Hasen, umschwänzelt von Momo, unserem Kater, und angebellt von den Hunden. Er ließ sich nicht einschüchtern, blieb hartnäckig dort stehen, wo ihn die Kinder voller Freude bauten. Den ersten wärmenden Sonnenstrahlen konnte er jedoch nichts entgegensetzen. Die Möhre wird an die Hasen verfüttert und dort, wo sie gerade noch lag, steht bald das Trampolin. Tischtennisplatte und Hängematte folgen ihm in den Garten.

Nun wird wieder gesprungen und gespielt und die ersten Sommersprossen sprießen auf den Nasenspitzen. Überall krabbelt und summt es. Die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf. Tschüss Winter! Willkommen Frühling! Die Frühlingswärme verleitet die Kinder, ihre Winterjacken während des Tobens abzulegen. Schon bald werden die Wintersachen eingemottet. Schals, Mützen und Handschuhe, falls als Paar noch vorhanden, werden für die nächsten Monate sicher verstaut. In die Kleiderschränke ziehen nun wieder farbenfrohe T-Shirts und kurze Hosen ein. Die ersten Wanderungen und Fahrradtouren werden geplant. Zuvor müssen aber die Drahtesel aus ihrem Winterquartier geholt und auf Verkehrstauglichkeit geprüft werden: Fahrradsitze höher stellen, Reifen aufpumpen, Bremsen testen und Fahrradketten ölen. Schwarze Kinderhände sind der Beweis für die getane Arbeit.

Draußen tut sich was
Aber auch der grüne Daumen ist gefragt. Blumenzwiebeln, im Herbst noch gemeinsam in die Erde gesteckt, recken jetzt vorsichtig ihr Grün durch die braune Erde. Die ersten weißen Blüten zeigen sich an den Erdbeerpflanzen in unserem Selbstversorgerbeet, das ansonsten noch sehr trostlos aussieht. Möhren, Radieschen, Zucchini, Salat & Co werden vorsichtig in die Erde gebracht.

Das vierte Jahr bewirtschaften wir unseren kleinen Garten inzwischen. Längst hat jedes Kind ein eigenes Beet angelegt und weiß mittlerweile, dass Obst und Gemüse nicht nur im Discounter verkauft und in Folie geliefert werden müssen. Und dass unseres besser schmeckt. Auch die Enten sind sehr interessiert an dem leckeren Grün, das hinter dem schützenden Zaun auf den Beeten heranwächst. Vor kurzem hat sich ein Entenweibchen zurückgezogen, bewacht und verteidigt fauchend das Nest, in das sechs Eier gebettet sind. Federvieh tummelt sich in den warmen Sonnenstrahlen und jagt den ersten Insekten nach. Die Kinder vergnügt dieser Anblick immer wieder aufs Neue. Der Lohn dafür, dass sie sich täglich um das Wohl ihrer Tiere kümmern. Vieles, was dazu gehört, sieht man auf den ersten Blick nicht. Die Ställe müssen täglich gesäubert werden, Heu und frisches Wasser sind ein Muss, wie auch das Futter, das im Frühling in der nahen Natur von den Kindern gesammelt wird. Verantwortlich ist, wer zum Hasen- bzw. Entendienst eingeteilt ist. Während dieser schönen und aktiven Momente, mit denen uns der Frühling beglückt, gerät Fernsehgucken in Vergessenheit. Niemand klagt mehr über Langeweile.

Julia Höppner, Albert-Schweitzer-Kinderdorf Zerbst