Rassismus ist aufgrund der aktuellen Ereignisse in den USA neben Corona das beherrschende Medienthema – „und es beschäftigt auch Eltern und Kinder“, sagt Inka Peters, Geschäftsführerin des Albert-Schweitzer-Familienwerkes Mecklenburg-Vorpommern. „Auch hier in Deutschland ist Rassismus ein massives gesamtgesellschaftliches Problem, nicht nur in sozialen Brennpunkten.“

Deshalb engagiert sich das Familienwerk Mecklenburg-Vorpommern in lokalen Projekten des Bundesprogramms „Demokratie leben“, Geschäftsführerin Inka Peters ist Mitglied im Wolgaster Begleitausschuss für Demokratie- und Toleranzentwicklung.

„Rassismus zu bekämpfen ist eine gesamtgesellschaftliche Bildungsaufgabe, die alle etwas angeht“, betont Inka Peters. „In Kitas, Schulen und natürlich auch in unseren Kinderdorfhäusern ist Diversität ein wichtiger pädagogischer Grundsatz. Kommen Kinder zu uns, die nicht in ihren Herkunftsfamilien aufwachsen können, nimmt die Vermittlung von Kinderrechten und von Werten wie Toleranz und Respekt einen hohen Stellenwert ein. Für Rassismus und Ausgrenzung ist bei uns kein Platz.

„Eine gute Rassismus-Prävention beginnt bei den Kindern in einem ganz frühen Alter“, sagt Peters. „Artikel 2 der UN- Kinderrechtskonvention sagt ganz klar: Al­le Kin­der sind gleich! Kein Kind darf diskriminiert werden – unabhängig von der Hautfarbe, dem Geschlecht, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen, ethnischen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, einer Behinderung, der Geburt oder des sonstigen Status des Kindes, seiner Eltern oder seines Vormundes.“

Doch wie lassen sich in der Familie die Weichen für mehr Toleranz stellen? Worauf kommt es in der Erziehung eines Kindes an, damit Rassismus keine Chance hat? „Auf den Alltag kommt es an, wie so oft im Leben“, sagt Inka Peters. „Wir müssen unseren Kindern Vielfalt vorleben statt Ausgrenzung.“

Was Eltern konkret tun können:

1. Vorbild sein

Schon Kinder werden Opfer rassistischer Anfeindungen und Ausgrenzungen, oft auch durch andere Kinder – die sich das von Erwachsenen abgeschaut haben. Deshalb ist es auch so wichtig, schon früh Werte wie Respekt und Toleranz zu vermitteln und den Fokus auf Gemeinsamkeiten zu legen. Auch in der Kommunikation unter Erwachsenen sollten Eltern achtsam sein und in der eigenen Wortwahl Diversität sensibel und bedacht gerade gegenüber den Kindern beschreiben.

Leben Sie Ihren Kindern vor, andere Menschen mitzudenken, anstatt sie noch mehr auf ihre zugeschriebene „Andersartigkeit“ zu reduzieren! Wenn etwa die Hautfarbe des Nachbarkindes beim Fußballturnier kommentiert wird, fragen Sie: Wie würdest du es finden, wenn statt deines Fußballtalents immer nur deine Hautfarbe beachtet würde? Würdest du dich richtig wahrgenommen fühlen?

Vorbild sein, Stellung beziehen, andere Menschen mitdenken, aber nicht noch mehr Distanz schaffen, indem das zugeschrieben Andere mehr Beachtung findet als die Gemeinsamkeiten – und gleichzeitig wahrnehmen, wenn es aufgrund von Herkunft oder Aussehen zu Diskriminierung kommt: Das ist die Herausforderung.

2. Vielfalt anbieten und im Gespräch sein

Zeigen Sie Ihren Kindern im Alltag Diversität und bieten Sie Auswahl an. In Form von Büchern und Spielsachen etwa, wie Puppen oder Buntstiften in verschiedenen Hautfarben. Und reden Sie mit den Kindern: Wir sollten ihnen erklären, dass Menschen verschieden aussehen können, das aber noch nichts über das Wesen oder den Charakter aussagt. Bereits den Kleinen können wir vermitteln, dass jeder Mensch unabhängig von seinem Aussehen und seiner Herkunft dieselben Rechte hat. Und ihnen altersgerecht klarmachen, was Rassismus anrichtet, dass Menschen deswegen ausgegrenzt, verletzt oder sogar getötet werden können.

3. Kinder stark machen

Kinder sind von Natur aus auf Gerechtigkeit aus. Sie stören sich nicht an unterschiedlichen äußeren Merkmalen – die sie natürlich wahrnehmen –, sondern finden sie meist spannend. Sie verknüpfen sie nicht mit einer Hierarchisierung von Gruppen. Es ist so wichtig, den Kindern Mut zu machen, diesen Instinkten zu folgen und sich für andere Kinder einzusetzen, die ausgegrenzt werden!

Inka Peters und Aileen Schulze, Albert-Schweitzer-Familienwerk Mecklenburg-Vorpommern