Kinderdorf Waldenburg

Sieben Jahre war er alt, als er im September 1960 nach Waldenburg kam. Damals waren gerade die ersten drei Häuser des Kinderdorfes fertiggestellt. Es war ein typischer Altweibersommertag, bei dem sich die durch den Tau sichtbaren Spinnweben wie Silberfäden durch die Wiesen zogen, als Roland Hampf im Kinderdorf ankam. „Ich durfte mir etwas zu essen wünschen, da fiel die Wahl auf Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade“, erzählt er.

Aufgrund der damaligen Jugendhilfepolitik blieben die Kinder immer nur übergangsweise in einer Einrichtung. Roland Hampf hat so insgesamt 15 Mal das Zuhause wechseln müssen. Das Kinderdorf erlebte er dabei als ein „Nest aus Geborgenheit und Wärme, eingebettet in Wälder, Felder und Wiesen, mit richtigen Eltern und vielen Geschwistern und einem schönen großen Haus.“ Hier bekam er Raum und Halt, sich zu entwickeln und konnte seine künstlerische Begabung ausleben. Er fotografierte, malte und schrieb Gedichte. „Der Roland war ein Träumer, sensibel und fantasiebegabt“, erinnerte sich die langjährige Hauswirtschafterin Ursula Demuth, bei den Kindern als Tante Ulla geschätzt, liebevoll an das erste Kinderdorfkind. „Nach den Hausaufgaben ging es immer sofort raus zum Spielen“, denkt Roland Hampf schmunzelnd zurück. Dann war endlich Zeit für Fußball, Federball, Schnitzeljagden im Wald, Drachensteigen oder Schlittenfahren. Sogar ein eigenes Spiel haben Roland Hampf und seine Spielgefährten erfunden: Kantenschießen. Dabei musste man die Bordsteinkante so treffen, dass der Fußball wieder zurückgeschossen kam und man ihn auffangen konnte.

Als junger Mann machte er eine Ausbildung zum Reproduktionsfotografen. Der Zivildienst führte ihn wieder zurück ins Kinderdorf, denn es war sein Wunsch, ihn dort abzuleisten. Heute ist Roland Hampf 64 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Jetzt im Ruhestand verbringt er viel Zeit mit Fotografieren und – wie sein Kinderdorfvater – mit seiner Briefmarkensammlung. „Mein Kinderdorfvater stand mir sehr nahe“, erzählt Roland Hampf. Auch nachdem er das Kinderdorf verlassen hatte, hielten er und seine Kinderdorfeltern den Kontakt. Dem Kinderdorf ist Roland Hampf sein Leben lang verbunden geblieben. Er ist Mitglied des Ehemaligenrates und besucht mit seiner Familie gerne das Kinderdorf zu Festen, denn „hier erlebte ich eine wunderbare Kindheit.“

Roland Hampf aktuell

Roland Hampf, erstes Kind in einem Albert-Schweitzer-Kinderdorf

„Kinderdorf – das bedeutet für mich Geborgenheit, Schutz und Nestwärme.“

Roland Hampf früher

Roland (links) hätte gerne das Baby gehalten.

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