Aus acht Kindern sind neun geworden: Bei Familie Deutschmann sitzt seit einigen Tagen ein Heranwachsender mehr mit am Frühstückstisch. Und auch im Team gibt es zwei neue Gesichter.

Mit sieben Kinderdorfkindern und zwei leiblichen Söhnen leben Jörg und Nadine Deutschmann nun im Kinderhaus „Leuchtfeuer“. Ein Zwölfjähriger aus der Jungenwohngruppe des Familienwerks Mecklenburg-Vorpommern ist vergangene Woche eingezogen. „Das hat die Gruppendynamik natürlich noch einmal verändert“, sagt Jörg Deutschmann. „Wenn jemand Neues dazukommt, müssen alle ihre Rolle nochmal ein bisschen neu finden.“ „Das gilt für die Kinder genauso wie für die Erwachsenen“, ergänzt Nadine Deutschmann. Die jungen Kinderdorfeltern haben Anfang des Monats Verstärkung bekommen: Eine Erzieherin und eine junge Frau, die ihren Bundesfreiwilligendienst in der Kinderdorffamilie absolviert, gehören nun mit zur XXL-Familie – und die Deutschmanns freuen sich darüber.

Das mit dem Neu-Finden klappt aktuell ziemlich gut. „Der Alltag flutscht“, sagt Jörg Deutschmann zufrieden. Jeden Tag ist eine Menge los. Neben der Schule haben die insgesamt neun Kinder jede Menge Programm: „Fahrradfahren, Fußball, Zumba, Reiten, Handball, Christenlehre, Freiwillige Feuerwehr – alle haben ihre Hobbies. Ganz normaler Familienalltag eben, nur mit mehr Kindern als in den meisten Familien.“ Und auch gemeinsam unternimmt die Kinderdorffamilie viel. „Jetzt im Herbst gehen wir an den Wochenenden zum Beispiel gern in den Wald“, erzählt Nadine Deutschmann. „Da werden dann auch unsere ‚Pubertiere‘ wieder zu Kindern, bauen Buden und sind fasziniert von ganz kleinen Dingen. Das macht unheimlich Spaß und ist wahnsinnig schön zu beobachten.“

Das Team tauscht sich täglich aus, reflektiert, berät sich. „Von der pädagogischen Leitung des Familienwerks bekommen wir Tipps und Unterstützung“, sagt Nadine Deutschmann. „Neue Kolleg*innen einarbeiten – das mache ich ja gerade auch zum ersten Mal.“

Kinderdorfeltern sein – das war beiden vorher klar – ist ein Rund-um-die-Uhr-Job. Dennoch nehmen sich Nadine und Jörg Deutschmann bewusst regelmäßig kleine Auszeiten für sich, einzeln und auch als Paar: eine Joggingrunde allein durch die Felder, ein gemeinsames Frühstück beim Bäcker am Montagmorgen, ein guter Film am Freitagvormittag, wenn die Büroarbeit erledigt ist und die neun Kinder noch in der Schule sind. „Es ist wichtig, dass man sich solche Zeitfenster schafft“, sagt Nadine Deutschmann. Auch als Familie. „Wir möchten Familienzeit mit unseren Jungs künftig noch besser in den Alltag integrieren. Das ist uns bei all den Veränderungen der letzten Wochen und Monate noch nicht so gut gelungen. Aber das braucht auch einfach ein wenig Geduld.“

Veränderungen gibt es in einer Kinderdorffamilie immer wieder. Die (in vielerlei Hinsicht benachteiligten) Kinderdorfkinder haben anderen Kindern dadurch auch etwas voraus, glaubt Nadine Deutschmann: „Sie lernen manchmal besser, mit neuen Situationen umzugehen, eben weil sie es müssen. Das kann ihnen im Leben helfen. An Punkten, an denen andere vielleicht eher überfordert sind.“

Weitere Veränderungen wird es auch im Kinderhaus „Leuchtfeuer“ geben: „Der Junge, der zu uns gekommen ist, wird nur einige Monate bei uns bleiben“, sagt Jörg Deutschmann. Und ein weiteres neues Gesicht wird kommen: „Eine Lehrerin, die uns stundenweise bei der Hausaufgabenbetreuung und der Vorbereitung auf Klassenarbeiten der Kinder unterstützen wird.“ Außerdem liebäugelt Nadine Deutschmann damit, eventuell irgendwann Gänse zu halten, so wie die Nachbarn der Familie, aus deren Garten just Geschnatter zu hören ist.

Bald beginnen auch schon die Herbstferien. Dank einer Kooperation mit dem Albert-Schweitzer-Familienwerk Brandenburg geht es dann für die Kinderdorfkinder fünf Tage ins Ferienlager in der Sächsischen Schweiz. Nadine und Jörg Deutschmann wollen die Tage nutzen, um viel Exklusiv-Zeit mit ihren beiden Söhnen (7 und 13) zu verbringen. „Erst geht es zu einer Familienfeier in Thüringen, und dann feiern wir die Geburtstage der Jungs in einem Freizeitpark im Vogtland – aber davon wissen die beiden noch nichts, das soll eine Überraschung werden“, verrät Nadine Deutschmann. Dann zeigt sie Fotos von den letzten Geburtstagen „ihrer“ Kinderdorfkinder. „Hier ist jeden Monat so viel los“, sagt sie lachend. Und wirkt dabei sehr zufrieden.

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Beitrag: Sabrina Banze