Die Weihnachtszeit ist für alle Kinder eine spannende Zeit, voller knisternder Vorfreude, Geheimnisse, Wünsche, Lieder, süßer Düfte ….. aber wie aufregend neu muss es für ein Kind sein, das dieses Fest und die Vorbereitung darauf noch nie so erleben durfte?

In dessen Leben es niemanden kümmert, ob und wie es zur Schule geht. Gemeinsame Rituale kennt es nicht. Wenn Essen da ist, wird sich was genommen und irgendwo gegessen. Die Mutter ist mit sich selbst beschäftigt und mit der Situation überfordert. In der Wohnung noch zwei Hunde, die auch ihre Bedürfnisse haben und einfordern.

Bis es nicht mehr zu verantworten ist. Das Jugendamt bringt Leon an einem Dienstagvormittag ins Kinderdorf. Vor mir steht ein schüchterner, schmaler, blonder zehnjähriger Junge. Die Kommunikation ist am Anfang schwierig, weil Leon sehr schlecht spricht. Erst mit der Zeit wird es besser. Einmal pro Woche geht er jetzt zur Logopädie.

Leon saugt sein neues Leben auf wie ein Schwamm. Guckt sich von unseren anderen Kindern ab, was er nicht kennt. Genießt es sichtlich, ein eigenes Zimmer und Bett zu haben. Er geht täglich in die neue Schule, macht seine Hausaufgaben und ist stolz auf seine neue Schultasche. Zu den anderen Kindern findet er langsam Kontakt. Als sein Geburtstag bevorsteht, lässt er über ein anderes Kind fragen, ob er sich ein Tablet wünschen kann.

Am Geburtstagsmorgen stehen eine kleine Torte, ein Blumenstrauß und Süßigkeiten auf dem Tisch. Alle freuen sich mit Leon, als er sein Tablet auswickelt und ein Lächeln über sein Gesicht huscht. Im Mittelpunkt zu stehen und dass seine Wünsche in Erfüllung gehen –  auch das ist neu für Leon.

Bald ist Weihnachten. … Für Leon wird es das erste Weihnachten in unserem Haus sein…

Ute Höppner, Kinderdorf Sachsen-Anhalt

Nachbarschaftshilfe

Weihnachtsgeschenke – nicht für alle Kinder selbstverständlich

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