Die Kinder aus dem Lindenhof im Kinderdorf in Erfurt sitzen in diesen Tagen oft mit dem Handy in der Hand auf dem Sofa und schauen sich Fotos und Videos aus aller Herren Länder an. Ihre Erzieherin Sophia Blumenstiel ist nämlich seit November zusammen mit ihrem Freund auf Weltreise – und nimmt die Kinder digital mit.

Bali, Nusa Penida, Lombok, Uluwatu – zunächst ging es für Sophia und ihren Freund Clemens für einen Monat nach Indonesien. Die Tagebucheinträge in der App, die die Weltenbummler nutzen, um ihre Abenteuer mit den Daheimgebliebenen zu teilen, erzählen von Tagen am Strand (inklusive einem Weihnachtsmann aus Sand), vom Surfen und Schnorcheln, von Kokosnüssen und traditionellem balinesischen Essen, von Begegnungen mit Affen, Schildkröten und Delfinen, von Reisfeldern, Bergen, Vulkanen, heißen Quellen und Wasserfällen. Die Farben und Landschaften sind beeindruckend. Und am liebsten würde man sofort selbst die Koffer packen.

Zum Jahreswechsel standen ein paar Tage San Francisco auf dem Reiseplan. Im Januar flogen Sophia und Clemens dann weiter nach Kolumbien. Aktuell reist das Paar mit einem Camper durch Europa: In Frankreich, Spanien, Portugal, der Schweiz und Schweden waren sie schon unterwegs. Insgesamt haben sie in sieben Monaten bereits mehr als 38.000 Kilometer zurückgelegt. „Ich konnte großartige Erfahrungen sammeln, andere Kulturen kennenlernen und neue Erkenntnisse über mich selbst gewinnen“, schreibt Sophia, die rund 18 Monate auf die große Reise gespart hat, uns von unterwegs.

Ihre Chefin Ines Schellknecht hat Sophia das „Sabbatical“ (ein unbezahltes Sabbatjahr) gern ermöglicht: „Der Traum von einer Weltreise muss nicht bedeuten, dass man seinen Job, den man gern macht, aufgeben muss. Es ist uns wichtig, dass unsere Mitarbeiter*innen auch mal eine Auszeit nehmen können – und dann mit neuer Motivation wieder einsteigen. Das zahlt auch auf die mentale Gesundheit der Kolleg*innen ein, weshalb wir sie bei einem solchen Anliegen gern unterstützen“, sagt Schellknecht.

Beste Voraussetzungen für Sophia, die sich dem Erfurter Kinderdorf und insbesondere „ihrem“ Kinderdorfhaus sehr verbunden fühlt. Die Kinder zumindest digital mitzunehmen, war eine bewusste Entscheidung der jungen Pädagogin: „Da ich weiter ein Teil des Lindenhofes sein wollte, war es für mich wichtig, dass die Kinder trotz der langen Unterbrechung immer Zugriff darauf haben, wo ich gerade bin und was ich jeden Tag so erlebe.“

Für die Kids ist all das unheimlich spannend, auch wenn ihre Erzieherin ihnen natürlich fehlt: „Sophia ist unsere Reisemaus!“ „Ich vermisse sie und kann es kaum erwarten, wenn sie wieder zurück ist.“ „Ich bin sehr traurig, dass Sophia all die schönen Momente mit uns verpasst. Und all die tollen Dinge, die wir entdecken, können wir nicht mit ihr teilen.“

Bald sind aber wieder gemeinsame Entdeckungen möglich. Noch bis August ist Sophia unterwegs, dann kommt sie zurück ins Kinderdorf und den Lindenhof. Und wird sicher begeistert empfangen. „Ich freue mich schon sehr darauf, die Kinder und KollegInnen wiederzusehen“, schreibt Sophia. Die Kinder haben derweil inzwischen viele Orte im Kopf, die sie irgendwann auch selbst einmal „in echt“ entdecken möchten. Denn: „Reisen macht das Leben besser“, ist sich eines der Mädchen sicher.

Sabrina Banze, Bundesverband