
Tag der offenen Tür im Erfurter Kinderdorf. Am Kinderschminkstand herrscht Trubel. Alle wollen ein buntes Gesicht. Einen Delfin auf der Wange, ein Clown, ein Tiger oder eine Prinzessin sein. Und: Insbesondere die Mädchen wollen eine besondere Frisur dazu. Einen lila Flechtzopf, eine extra-lange Strähne als Hingucker, Glitzersteine im Haar. All das gibt es gleich nebenan.
Friseurmeisterin Jennifer Heßland erfüllt die Wünsche gern. Routiniert kämmt sie den Kindern durchs Haar, fragt nach Vorstellungen, Lieblingsfarben und ob es auch ein wenig Glitzer sein soll. Am Ende ein prüfender Blick in den Spiegel: „Ja, das ist super so!“
Die Kinder und Jugendlichen im Kinderdorf kennen Jennifer Heßland. Die Mutter eines 15-jährigen Sohnes kommt einmal im Monat her und schneidet ihnen gratis die Haare. „Ich weiß, in einem Kinderdorf ist alles budgetiert“, sagt Heßland. „Im Monat steht jedem Kind ein gewisser Betrag zur Verfügung.“ Je nach Haarlänge bzw. Frisurenwunsch müssten die Kinder mitunter lange auf den nächsten Friseurbesuch warten. Das sollten sie aber nicht, findet die Erfurterin mit der auffälligen Frisur. „Die Kinder sollten vielmehr ein Anrecht auf einen Haarschnitt im Monat haben. Dafür, dass sie in einer Einrichtung groß werden, sind sie schließlich nicht verantwortlich.“ Deshalb bietet sie ihre Dienste jeden Monat ehrenamtlich an.
Und die werden gut angenommen: „Wenn ich hier bin, habe ich Akkordarbeit und stehe von morgens bis nachmittags hinter dem Stuhl“, sagt Jennifer Heßland lachend. Ihre jungen Kund*innen kämen mit sehr konkreten Vorstellungen, erzählt sie. „Sie wollen ‚up to date‘ sein. Und ich gebe gerne auch mal ein paar Styling-Tipps.“
Vor allem gibt Jennifer Heßland, die in ihrer Kindheit selbst einmal für kurze Zeit ein „Heimkind“ war, auf diese Weise allen Heranwachsenden im Kinderdorf die Chance, über das eigene Aussehen zu bestimmen – denn das wird spätestens mit der Pubertät zunehmend wichtiger für junge Menschen. „Jugendliche wollen ihren eigenen Stil entwickeln. Und nicht monatelang warten müssen, bis sie sich den Wunschhaarschnitt leisten können, während andere Gleichaltrige einfach zum Frisör gehen“, weiß Christin Schönfuß vom Erfurter Kinderdorf.
Umso dankbarer sind die Kinder und Jugendlichen für die ehrenamtliche Unterstützung durch Jennifer Heßland. Die Friseurin selbst sagt: „Ich hoffe, mit meinem Ehrenamt etwas bewegen zu können und freue mich, wenn ich vielleicht andere Kolleg*innen inspiriere, ebenfalls etwas Gutes zu tun.“
Auch die anderen Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke in Deutschland werden zum Teil von ehrenamtlich tätigen Friseur*innen unterstützt. Eine wertvolle Hilfe, für die wir von Herzen Danke sagen! Wenn Sie sich ebenfalls ehrenamtlich engagieren möchten, nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf.
Sabrina Banze, Bundesverband
