„Ich will, dass meine Kinder es besser haben!“

Die Kindheit von Veronika Brömsen war alles andere als angenehm. Sie stammt aus schwierigen Verhältnissen. Ihre Mutter war überfordert damit, sechs Kinder allein großzuziehen. Sie entdeckt bei sich ähnliche Schwächen wie bei ihrer Mutter aber sie sagt voller Ehrgeiz: „Ich will, dass meine Kinder es besser haben!“

Seit 23 Jahren ist sie krank. Über den tragischen Verlust ihres ersten Kindes ist sie nicht hinweg gekommen. Trotz dieses schweren Vorfalls hat Veronika Brömsen nie Unterstützung erhalten. „Erst hier im Albert-Schweitzer-Kinderdorf habe ich erfahren wie Hilfe geht“, sagt sie. Sie ist dankbar für das wohlwollende Zusammenspiel zwischen dem Jugendamt, der Kinderdorffamilie und der Erziehungsleitung. Es geht menschlich zu. „Ich bin nicht glücklich, dass meine Kinder in einem Kinderdorf leben. Aber dort sind sie sehr gut aufgehoben, deshalb bin ich sehr zufrieden mit der Situation“ sagt sie mit Tränen in Augen.

Vor drei Jahren gab es einen ersten Zwischenfall. Von da an konnte sie sich nicht mehr richtig um ihre geliebten Kinder kümmern. Ein Ortswechsel sollte helfen. Nun lebte Veronika Brömsen in der Stadt in ihrer 47 m² Wohnung im fünften Stock, wo es für drei Personen viel zu eng war. Sie hatte keine Idee für die Zukunft ihrer Kinder. Vielleicht hat die Orientierungslosigkeit einen Fluchtreflex ausgelöst. Sie lief ziellos durch die Stadt. Sie musste einfach weg; über alles nachdenken.

Nach ein paar Stunden war sie wieder zu Hause – die Kinder waren bei der Polizei, stand auf einer Nachricht. Die Ungewissheit, den genauen Aufenthaltsort der Kinder noch nicht zu kennen und nicht zu wissen, wie es künftig weitergehen wird, quälte Veronika Brömsen drei Tage lang. Dann kam das erste Telefonat zwischen ihr und der Kinderdorfmutter Annika Eichmann. Vier Wochen gab es keinen persönlichen Kontakt zu den Kindern. Sie hatte keine Ahnung, wo Cecile und Steffi leben. Veronika Brömsen hatte ganz große Angst, die Mädchen nie wiederzusehen! Bis heute telefonieren die beiden Kinder mit ihrer Mama einmal die Woche. Dieser wichtige Termin fällt niemals aus!

„Es war eine schwierige Situation für mich, weil ich am Telefon keine konkreten Aussagen oder Zusagen machen konnte“, sagt Annika Eichmann. Für Veronika Brömsen war es ein positives Zeichen. „Nach dem ersten Gespräch hatte ich zwar einen guten Eindruck, aber noch keine echte Beruhigung“, erinnert sich Frau Brömsen. Sicherheit und ein gutes Gefühl kamen erst beim ersten Besuch.

Ihre Flexibilität und Geschwindigkeit musste Annika Eichmann bei der Aufnahme der beiden Kinder beweisen. Das neue Haus war fertig aber es war noch nichts eingerichtet. An einem Donnerstag um 11:00 Uhr erreichte  Annika Eichmann der Anruf, dass um 14:00 Uhr zwei Mitarbeiter des Jugendamtes kommen würden und Cecile und Stephanie zu ihr in die Familie bringen würden. „Das war sehr aufregend“, sagt Annika Eichmann. Nur noch drei Stunden und bis dahin mussten so viele Handgriffe geschehen. Eltern und Schwiegereltern sind mit großen Autos vorgefahren, haben zunächst gebrauchte Möbel abgebaut, geliefert und im neuen Haus wieder aufgebaut. Pünktlich ist alles fertig; die Kinder kommen.

Beim ersten Kontakt mit den beiden Kindern war auch Annika Eichmann etwas aufgeregt. Machen sie uns Vorwürfe und sind wir in ihren Augen Schuld an dieser Situation? Es war eine Überraschung, dass Cecile so klar und so wach war. Sie war zurückhaltend, in einer Art Obachtstellung: Wo bin ich? Was wollen die von mir? Sie hat sich in die Umgebung eingeordnet. Stephanie hat überhaupt nichts gesagt. Die kleine hatte zunächst ganz viel Angst und hat nur nach unten gesehen.

„Die Kinder haben jetzt ein wunderschönes Zuhause, was ich Ihnen im Moment nicht bieten kann“, sagt Veronika Brömsen. Jetzt haben Cecile und Stephanie auch gute Leistungen in der Schule. Ihre Mutter hat wieder Ziele. Sie will darauf hinarbeiten, dass die Kinder irgendwann mit ihr wieder zusammenleben werden: „Ich werde ganz bestimmt nicht immer krank bleiben.“ Sie wird sich Hilfe holen, um wieder ganz gesund zu werden. Darauf kann sie nur hoffen. Und wir drücken ihr die Daumen.

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