Rund 30 Kinder und ihre Eltern hatten sich Anfang Dezember im Familienzentrum Brücke* im Berliner Stadtteil Lichtenberg eingefunden, um Julia Boehmes weihnachtlicher Lesung zu lauschen. Boehme ist Kinderbuchautorin und schreibt unter anderem für die beliebte Conni-Reihe.

Doch an diesem grauen Dezembernachmittag wartet im Familienzentrum nicht „Conni“ auf die kleinen Zuhörer, sondern Wassili der Waschbär und ein schlecht gelauntes Monster. Julia Boehme liest aus ihren beiden Büchern „Das große Wunschzettelwunder“ und „Frohes Fest, kleines Muffelmonster“. Keine ganz leichte Aufgabe vor einer so großen und jungen Zuhörerschaft. Die Autorin muss ihr ganzes Stimmvolumen einsetzen, um die Kleinen zu übertönen. Doch schon nach wenigen Minuten kehrt Ruhe ein, und mit großen Augen und Ohren verfolgen die Kinder die Geschichten aus dem Buch und die Bilder an der Leinwand. „Für mich ist es toll zu sehen, wie schon die Allerkleinsten dabei sind. Mit Vorlesen kann man gar nicht früh genug anfangen!“, ist Julia Boehme überzeugt.

Vom Konzept überzeugt

Für die Autorin ist das bereits der zweite Einsatz für die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke. Im Mai war sie bei einer Kinderlesewoche in Baden-Württemberg, die vom Kinderdorf Waldenburg organisiert wird. Nach einer Führung durch das Kinderdorf zeigte sie sich sichtlich beeindruckt: „Es ist wunderbar, wie Kinder, die nicht bei ihren Eltern großwerden können, hier eine fürsorgliche und liebevolle Familie finden. So können sie nach einem schweren Start ins Leben wieder Fuß fassen und Geborgenheit finden.“

Treffpunkt für einheimische und geflüchtete Familien

Die Zuhörerrunde im Familienzentrum Brücke ist international, man hört Arabisch, Englisch, Deutsch, Russisch und andere Sprachen. Mit dem Flüchtlingszustrom 2015 war das Familienzentrum einer der Orte in Berlin, in denen Geflüchtete Hilfe bekamen. “Wir wollten den Familien das Ankommen im neuen, unbekannten Land erleichtern und sie beim Einleben unterstützen “, erklärt Anja Mai, Koordinatorin des Familienzentrums.
Heute ist das Zentrum zum multikulturellen Begegnungsort zwischen einheimischen und geflüchteten Familien geworden. Hier wird gemeinsam gelacht, gekocht, gespielt, geholfen und eben gelesen. Anja Mai: „Neben unseren Beratungen, die wir anbieten, können die Familien hier ihre Freizeit verbringen, einheimische Familien kennenlernen und sich vernetzen, so zum Beispiel in unserer interkulturellen Kochgruppe.“

Es geht weiter!

Nach der Vorlesung sind sich die Autorin und Mitarbeitenden der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke schnell einig: Das muss bald wiederholt werden! „Ich würde mich sehr freuen, wenn ich die großartige Arbeit der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer weiter unterstützen kann“, so Julia Boehme, und kurz darauf  spendete sie zwei ihrer Honorare an die Kinderdörfer.

*Die Brücke ist ein Projekt vom Albert-Schweitzer-Kinderdorf Berlin e.V.