Die Bedürfnisse und Rechte von Kindern brauchen mehr Beachtung.

Der Internationale Kindertag macht immer am 1. Juni auf die Rechte und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen aufmerksam. Und das ist auch dringend nötig, denn diese finden auch im Jahr 2021 zu wenig Beachtung. Seit 1995, dem Gründungsjahr unseres Bundesverbandes, feiern wir an diesem Datum zudem den Albert-Schweitzer-Tag und erinnern damit an unseren Namensgeber. Das Denken und Handeln des Friedensnobelpreisträgers und Menschenfreundes Albert Schweitzer dient uns bis heute als Richtschnur. Ehrfurcht vor dem Leben – das bedeutet für uns auch: Ehrfurcht vor den Kindern.

„Kinder und Jugendliche brauchen jetzt Wiedergutmachungs- statt Aufholprogramme“, sagt unsere Geschäftsführerin Margitta Behnke zum Internationalen Kinder- und Albert-Schweitzer-Tag. „Ihre Bedürfnisse wurden und werden ignoriert, vor und in der Pandemie. Wir alle, als Gesellschaft, sind dafür verantwortlich, dass sich das ändert. Und wir alle müssen Kinder besser schützen – nicht nur vor Krankheit, sondern vor allem auch vor Gewalt und Missbrauch, die besorgniserregend zunehmen“, so Behnke mit Blick auf die Zahlen zu Gewalt an Kindern im Jahr 2020, die das Bundeskriminalamt in der vergangenen Woche vorgestellt hat.

Kinder haben jedoch nicht nur ein Recht darauf, gesund und sicher aufzuwachsen: „Sie haben auch ein Recht auf Ruhe und Freizeit, auf Spiel und Erholung“, betont Margitta Behnke. „Sie brauchen keine – im Vergleich zu den Milliardenhilfen für Großkonzerne marginalen – ‚Aufholprogramme‘, die nach Leistungsrückstand und Defizitkorrektur klingen. Als gehe es nur darum, verpassten Schulstoff aufzuholen. Die verpassten Erlebnisse, die ausgefallenen Feste, Klassenfahrten und Verabredungen mit Freunden, die verlorenen Träume und herausfordernden Situationen zuhause haben sie viel mehr belastet. Die Kinder brauchen jetzt Wiedergutmachungs-programme. Ferienfreizeiten. Zukunftsprogramme. Erwachsene, die ihnen zuhören und ihre Bedürfnisse nicht ignorieren. Sie brauchen endlich eine Lobby.“

Und: Sie brauchen schöne Erlebnisse. Davon schaffen wir für die Kinder in unseren Einrichtungen auch heute wieder einige. Unsere Mitgliedsvereine begehen den Kinder- und Albert-Schweitzer-Tag auf vielfältige Art und Weise: In manchen Familien wird ganz entspannt ein schöner Tag verbracht, in manchen warten kleine Überraschungen auf die Kinder. Im Kinderdorf Erfurt (Thüringen) spendiert ein lokales Eiscafé heute zum Beispiel leckere Eistorten für alle Familien. In den Kitas des Familienwerks Brandenburg, die aus der Notbetreuung zurück sind und sich über ein bisschen mehr Normalität freuen, wird im Rahmen der geltenden Bestimmungen unter dem Motto „Wir sind wieder da!“ mit Hüpfburg, Märchenspiel und Spielstraße gefeiert.

Eine schöne Idee hatte auch das Familienwerk Mecklenburg-Vorpommern: Jedes Kind bekommt hier heute einen Brief mit Glückwünschen zum Kindertag. „Post bekommen, das ist etwas Seltenes und Besonderes für die Kinder“, weiß Inka Peters, Chefin des Familienwerks. Geschrieben haben die persönlichen Zeilen die Vertrauenserzieher*innen mit kindgerechten, wertschätzenden Worten. Im Umschlag steckt jeweils auch ein Gutschein, mit dem die Kinder in ihren Familien etwas Schönes unternehmen und den Ehrentag feiern können. „Ein Treffen aller Kinder und aller Kolleg*innen, wie es bei uns sonst am 1. Juni üblich ist, haben wir uns in der aktuellen Situation noch nicht getraut“, sagt Inka Peters. Groß gefeiert wird der Kinder- und Albert-Schweitzer-Tag normalerweise in Niedersachsen. Der Verein hat das große Kinderfest in Uslar jedoch auf den nächsten Monat verschoben – in der Hoffnung, dass im Juli mehr möglich ist.

Kindertag wird in Deutschland – aufgrund der einstigen Teilung des Landes in Ost und West – übrigens zweimal im Jahr gefeiert: Am 1. Juni ist Internationaler Kindertag, am 20. September Weltkindertag.

Sabrina Banze, Bundesverband