Neues Leben in einer Wohngruppe

"Süddeutsche Zeitung", Bad Tölz – im Herbst dieses Jahres wird im Spessart ein neues Albert-Schweitzer-Kinderdorfhaus fertig sein. Es ist nach einer Einrichtung in Nürnberg die zweite in Bayern. Das Konzept der therapeutischen Wohngruppe in Nürnberg stellte der Geschäftsführer des Bayerischen Verbandes, Heiner Koch am Freitag bei einer Tagung im Tölzer Gasthof Kolberbräu vor.

Dass der Albert-Schweitzer-Verband die Möglichkeit hat in Dammbach im Spessart ein neues Kinderdorfhaus einzurichten ist laut Werner Nickel, Geschäftsführer des gesamtdeutschen Dachverbandes in Dreieich bei Frankfurt, "eine Story, die wie ein Märchen klingt". In der Wochenzeitung "Die Zeit" sei man vor einiger Zeit auf eine Anzeige gestoßen: "Jugendherberge zu verschenken für eine soziale Einrichtung", hieß es dort.
Die Anzeige hatte der Immobilienkaufmann Karl Wolf in die Zeitung gesetzt. "Unser Konzept hat ihm am besten gefallen", freut sich Koch. In der Herberge entstehe nun der Raum für eine weitere Pflegefamilie mit sieben Kindern.

Therapeutische Wohngruppe
Der Albert-Schweitzer-Verband der Familienwerke und Kinderdörfer wurde am 1. Juni 1995 in Frankfurt am Main gegründet. Die bayerische Unterabteilung, wie es die auch noch in acht weiteren Bundesländern gibt, kam im Mai 1996 hinzu. Der Verband setzt sich für die Erfüllung der finanziellen Aufgabe ein, die bei Kinder-, Jugend-, alten- und Behindertenhilfsprojekten entstehen.

Die therapeutische Jugendwohngruppe in Nürnberg beispielsweise ist laut Koch für Jugendliche aus zerrütteten Familien gedacht, die Probleme in der Schule oder mit ihrer Lehrstelle haben. Im Gegensatz zu den Kinderdörfern lebten die allerdings nicht mit Pflegeeltern zusammen, sondern in einer Wohngemeinschaft mit therapeutischer Betreuung.

"Dort wohnen acht Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren", erzählt der Sozialpädagoge Koch. Sie gingen ganz normal zur schule oder zu ihrer Lehrstelle und lernten durch das Leben in der Wohngruppe auch alltägliche Aufgaben zu übernehmen, wie Tisch decken, Zimmer aufräumen und so weiter, zählt Koch auf.
Die Jugendämter zahlen seinen Angaben nach dafür einen Tagessatz von 250 Mark pro Jugendlichen. Das höre sich immer nach viel an, weis auch Nickel. Ganze siebzig Prozent gingen allerdings für Personalkisten drauf. Zum essen stünden täglich elf Mark zur Verfügung, dann noch etwas für Kleider, Kultur oder auch einen Frisörbesuch.

Umzug nach Berlin
die bayerische Geschäftsstelle ist in Königsdorf, der Dachverband soll nach Nickels Worten bald nach Berlin verlegt werden. Von der neuen Hauptstadt aus wolle man sich noch mehr auf die neuen Bundesländer konzentrieren.

2016-12-12T23:57:16+00:0023. Juni 1999|Bayern|
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