Frau mit Karton

Fast genau ein Jahr ist es her, dass die Kinderdorffamilie Borrmann ihr langjähriges Zuhause in Steinbach verließ. Der Einzug in das neue, aber eigene Haus war ein großer und lang geplanter Schritt.

Nun nach einem Jahr haben wir endlich das Gefühl, angekommen zu sein. Wir – das sind wir Hauseltern, unsere beiden großen Mädchen Vanessa (16) und Celina (14) und unsere Tochter Sandra mit ihrer Tochter und ihrem Freund. Unser Mehrgenerationenhaus ist das Ergebnis langen Bauens mit viel Kraft und Geduld. Unsere Kinderdorfkinder konnten dabei fleißig mitwirken. Schließlich sollte es ja auch ihr neues Zuhause werden.

Nach dem Umzug gab es viele Herausforderungen. Das Familienleben musste neu geordnet werden, gewohnte Wege wurden durch neue ersetzt, Abläufe überdacht, der Rahmen wurde kleiner und familiärer. Heute gleichen wir ein Stück mehr einer üblichen Familie. So zumindest der Eindruck der Mädchen.

Wir hatten die Möglichkeit, in fast 20 Jahren im Kinderdorf in Steinbach insgesamt 17 Kinder und Jugendliche ein Stück auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Als sie uns nun besuchen kamen, vermissten sie dieses Zuhauses. Dies hatten wir so nicht erwartet, und es erschwerte uns den Abschied.

Im Sommer schafften wir es, gemeinsam ein Ehemaligentreffen zu organisieren, bei dem uns einige der Jugendlichen mit ihren Familien und ehemalige MitarbeiterInnen besuchten. Dies wurde zu einem großen Tag für alle, voller Erinnerungen und Emotionen. Egal wo, es bleibt immer unser Anliegen, den Kindern ein Zuhause zu geben, Bindungen aufzubauen und einfach nur da zu sein. Dazu gehört aber auch, Chancen zu nutzen. Und wir haben gemeinsam die Chance genutzt, an einem neuen Ort noch einmal durchzustarten.

Silke Borrmann, Albert-Schweitzer-Kinderdorf Steinbach, Dresden

(Foto: Bruce Mars, Pexels Lizenz)