Unser Kinderhaus befindet sich in einem kleinen Dorf, das von Wäldern, Wiesen und Feldern umgeben ist.
In der Nähe haben sich Wölfe angesiedelt. Wir alle wuchsen mit den Märchen vom bösen Wolf auf, der nicht nur Zicklein, sondern auch Rotkäppchen und deren Großmutter fraß.
Und so kam bald die Frage auf: „Können wir noch sicher im Wald und Dorf spielen?“

Um unseren Kindern und Jugendlichen die Angst vor dem „bösen“ Wolf zu nehmen, machten wir einen sehr lehrreichen Wochenendausflug in ein Wolfscenter. Für zwei Nächte bezogen wir Tipis, die sich zwischen zwei Wolfsgehegen und einem Gehege mit Wolfshunden befanden. So waren wir den Wölfen ganz nah und konnten sie beobachten. Oder beobachteten sie eher uns?

Wir machten beeindruckende Erfahrungen und lernten eine Menge über Wölfe!
Wir erfuhren, dass der Hund vom Wolf abstammt, dass Wölfe in der Nacht bis zu 20 km zurücklegen um Nahrung zu finden und um ihr Revier zu kennzeichnen, dass Wölfe viele Jahre vom Menschen gejagt wurden und nur die Scheuesten überlebten.
Wir lernten auch, dass der Mensch absolut nicht zum Beuteschema des Wolfes gehört…
Er jagt eher kranke und schwache Tiere wie Rehe, junge Wildschweine, schwächeres Rotwild, aber auch Hasen, Kaninchen, Füchse und Mäuse.

An den Abenden saßen wir in gemütlicher Runde am Feuer in unserem Tipi.
Müde von aufregenden Eindrücken, krabbelten wir in unsere Schlafsäcke. Mehrmals in den Nächten wurden wir vom Geheul der Wölfe geweckt.
In der Gewissheit, dass wir in Sicherheit waren, schliefen wir weiter.

Nun fahren wir nach einem erlebnisreichen Wochenende beruhigt wieder in unser kleines Dorf und können Euch versichern:
der Wolf frisst uns nicht, wir lassen uns keinen Bären aufbinden!

Ute Höppner, Kinderdorf Zerbst

(Seit 15 Jahren sind Wölfe in Deutschland wieder heimisch. Sieben Rudel haben sich in Sachsen-Anhalt angesiedelt.)

Auf den Spuren der 70 Wölfe

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