„Kinder müssen lernen, gut und souverän mit Medien umzugehen“, betont Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. Viele Eltern sind allerdings verunsichert, was und wie viel sie ihren Kindern erlauben sollen.
Cornelia Spellenberg, Erziehungsleiterin im Kinderdorf  Waldenburg, weist darauf hin, „dass es keine allgemeingültigen Regeln geben kann, sondern sich der Medienumgang gemeinsam in einem Prozess mit den Kindern entwickeln muss.“

Medienwochenpläne helfen

Die Kinderdorffamilie Babatunde hat dabei bereits Erfahrungen gewonnen. Als die Kinder klein waren, stellten Medien kein großes Thema dar. Außer der „Sendung mit der Maus“, die einmal in der Woche im Fernsehen lief, nutzten die Kinder keine Medien.
Das änderte sich natürlich, als die Kinder älter wurden. Die Kinderdorfeltern erstellten nun feste Medienwochenpläne, wobei jedes Alter unterschiedliche Medienzeiten erlaubt bekam. Dabei konnten die Kinder selbst wählen, wann sie ihre Medienzeit nutzen wollten.

Ein eigenes Handy gibt es nicht vor zwölf Jahren. Natürlich haben die Jugendlichen keinen eigenen Vertrag, denn bei den laufenden Kosten können sie schnell den Überblick verlieren.
Den beliebten mobilen Kommunikationsdienst WhatsApp dürfen die Kinder ab vierzehn Jahren verwenden. Freunde, Schulklassen oder Vereine bilden auf WhatsApp Gruppen und organisieren darüber oft Aktivitäten.
Die Kinder und Jugendlichen können in der Kinderdorffamilie Babatunde außerdem gemeinsam einen Computer und ein Notebook benutzen – selbstverständlich mit Kinderschutzprogramm.

Seit dem Sommer 2016 sind das WLAN und damit der Internetzugang für alle Jugendlichen im Haus geöffnet.

Mal kurz die Mails checken

Eigenverantwortung lernen

Im Jahr 2015 hat die Familie Babatunde die Medienpläne abgeschafft. Etliche Pflegekinder sind auf dem Sprung in die Selbstständigkeit. Jetzt ist es wichtig, dass die Jugendlichen selbst einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medien lernen. Das geht natürlich nicht ohne Probleme. Gerade mit WhatsApp lässt sich die Aufmerksamkeit nur allzu schnell ablenken. Ständig trudeln Nachrichten ein, die gelesen und beantwortet werden wollen – ob beim Mittagessen, bei den Hausaufgaben oder vor dem Einschlafen.

In der Kinderdorffamilie Babatunde reagiert man darauf nicht mit Verboten, sondern mit Angeboten und Denkanstößen. So hat zum Beispiel ein Pflegekind von seiner leiblichen Mutter ein Handy geschenkt bekommen und nutzt das Gerät sehr intensiv. Die Pflegemutter Claudia Babatunde hat dem Jungen daher immer wieder das Angebot gemacht: „Soll ich das Handy mal für dich nehmen? Schau mal, wie viel Zeit Du heute damit schon verplempert hat. Du hast doch das Ziel, ein gutes Abitur zu machen.“ Inzwischen gibt der Junge von sich aus das Handy regelmäßig seiner Pflegemutter zu Aufbewahrung, wenn er sich auf etwas konzentrieren will.

Dass die Kinder und Jugendlichen einen eigenverantwortlichen und auch kritischen Umgang mit Medien lernen, ist nur möglich, indem Eltern immer wieder beobachten, wie das Kind mit Medien umgeht, gemeinsam darüber diskutieren und verschiedene Lösungen ausprobieren.

Eva Seibel, Kinderdorf Waldenburg

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