Von den Eltern getrennt zu sein, ist für die meisten Kinder, die in einem Kinderdorf aufwachsen, nicht leicht. Auch, wenn es zuhause schwierig war: Sie vermissen Mama und Papa und sind traurig, nicht bei ihnen sein zu können. Stirbt ein Elternteil, nimmt die Trauerbewältigung größere Dimensionen an. Einrichtungsleiter Sebastian Metzler berichtet davon, wie die Pädagog*innen im Familienwerk Rheinland-Pfalz/Saarland mit dieser Herausforderung umgehen.

„Der Verlust eines nahen Angehörigen ist für jeden Menschen schwer. Die Gefühlswelt steht Kopf und Emotionen wie Ohnmacht, Trauer und Angst, vielleicht auch Wut und Schuldgefühle tauchen auf. Trost finden die Betroffenen häufig in der Familie, die mittrauert und in dieser schwierigen Zeit begleitet. Wie muss ein solcher Verlust für die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen sein, die häufig aus schwierigen Familienverhältnissen zu uns gekommen sind? Die möglicherweise aufgrund ihrer Erlebnisse an einer Bindungsstörung leiden und keine Unterstützung von ihrer Herkunftsfamilie bekommen?

Zweimal erhielten wir in den vergangenen zwei Jahren einen Anruf der Polizei, die uns mitteilte, dass die allein sorgeberechtigten Mütter uns anvertrauter Kinder plötzlich verstorben waren. Eine schwierige Situation, auch für erfahrene Pädagog*innen: Wie sage ich es den Kindern? Wie reagieren sie auf die Nachricht? Und wie kann ich sie in ihrer Trauer unterstützen?

Jeweils zu zweit suchten die Kolleg*innen das Gespräch mit den Kindern, erklärten ihnen so sensibel wie möglich, dass ihre Mama gestorben ist, und spendeten ihnen ersten Trost. Auch ein Seelsorger wurde hinzugezogen, mit dem die Kinder ihre Fragen und Gefühle besprechen konnten. Die Wohngruppe wurde zum Familienersatz, begleitete die Kinder zur Beerdigung und gestaltete gemeinsam einen Gedenkaltar mit Fotos und Briefen.

Durch zusätzliche therapeutische Anbindung bemühen sich die Kolleg*innen bis heute, die Kinder in ihrer individuellen Trauerbewältigung – die vom Nicht-Trauern-Wollen über Alpträume und Wutausbrüche bis hin zu selbstverletzendem Verhalten und Weglaufen reicht – zu unterstützen. Sie bieten Gespräche an und helfen den Kindern zu lernen, wie sie Schritt für Schritt mit ihrem Verlust umgehen können.“

Sebastian Metzler, Familienwerk Rheinland-Pfalz/Saarland
Symbolfoto: Konstantin Börner

Dieser Beitrag ist auch in der Kinderland-Ausgabe 1/2024 mit dem Schwerpunktthema „Du darfst traurig sein“ erschienen.