Erzieherin Alexandra Hirsch hat nach langer Suche ihre “Bestimmung” gefunden: Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Josef Kellner hat sie im Albert-Schweitzer-Familienwerk Niedersachsen eine neue Erziehungsstelle gegründet. Kindern, die auf Dauer oder auf Zeit Hilfe benötigen, gibt das Paar neue Perspektiven.

Die 50-jährige Erzieherin Alexandra Hirsch begann vor 22 Jahren ihre Arbeit mit Jugendhilfekindern als Pflegestelle. Ihr Lebensgefährte Josef arbeitet hauptberuflich in der Landwirtschaft, in seiner freien Zeit ist er allerdings mit vollem Engagement für die ganze Familie da. Die älteste Pflegetochter der Familie ist 29 Jahre jung. Mit ihr, einem weiteren Pflegekind und einem leiblichen Sohn, starteten sie in die Pflegeelternschaft. Zuvor arbeitete Alexandra Hirsch lange in der Schule und im Kindergarten. “Es war eine schöne Zeit, aber nicht das, was ich will,” berichtet sie. Nach dieser Zeit nahm sie ein geistig behindertes Kind im Alter von zwei Jahren sowie ein Notfallkind bei sich zuhause auf.

Im Familienwerk vollkommen angekommen

Über Bekannte kam sie schließlich zum Albert-Schweitzer-Familienwerk Niedersachsen. Der Start war nicht einfach, denn es mussten viele Formalien erfüllt werden: Brandschutz, Elektroarbeiten und mehr verlangten viel Einsatz. Von der wertvollen und intensiven Betreuung durch die Bereichsleiter im Kinderdorf jedoch ist Alexandra Hirsch geradezu begeistert. Es steht immer ein Ansprechpartner zur Verfügung. Regelmäßige Treffen, Austausch und Beratung durch die Bereichsleitung helfen im Alltag – und in Krisenzeiten. Unterstützt wird Alexandra Hirsch außerdem von einer Erzieherin und von einer Haushaltshilfe. Die Arbeit im Team empfindet sie als sehr wertvoll, sie macht ihr großen Spaß. Auch, dass sie mit ihrem Engagement jetzt endlich sozialversicherungspflichtig beschäftigt und bei einem starken und großen Träger untergekommen ist, freut die 50-Jährige.

Begeisterte Überzeugung

“Ich stehe hier manchmal und kann es gar nicht glauben, dass ich so eine gute Unterstützung bekomme. Es hört jemand zu und ist da, ist engagiert. Ich kann mich in meiner täglichen Arbeit vollends auf die Entwicklung der Kinder konzentrieren”, freut sich Alexandra Hirsch. Den Entschluss zum Wechsel hat die Familie gemeinsam gefasst. Die Entscheidung fühlt sich für sie richtig an.

Im Moment leitet Alexandra Hirsch eine Erziehungsstelle, wie es im Fachjargon heißt. Vielleicht werden später noch bis zu zwei Jugendhilfekinder dazukommen. Bis dahin müssten allerdings noch einige bauliche Maßnahmen vorgenommen werden.

Darüber, dass sie zuhause arbeiten kann, ist Alexandra Hirsch froh: “In welchem Job kann ich schon in Puschen zur Arbeit gehen”, fragt sie mit einem Augenzwinkern. Ihre Pflegetochter Jaqueline arbeitet als Erzieherin in der Erziehungsstelle Hirsch mit. Einen wichtigen Part übernimmt Lebensgefährte Josef. Auch er hat sich weitergebildet und an Qualifizierungsmaßnahmen teilgenommen. Das hilft ihm im täglichen Umgang, insbesondere wenn es mal schwierig wird.

Die Familie bewirtschaftet einen kleinen Bauernhof mit Truthähnen, Hühnern, Enten, Gänsen, Kaninchen, Meerschweinchen, Katzen, Hunden, Rindern und Pferden. Auch die Kinder übernehmen feste Aufgaben. Der 14-jährige Dominic ist für die Hühner zuständig, die 13-jährige Lena hat bereits eigene Tiere. Sie übernimmt Verantwortung für ein Pony und einen Hund, für Hasen, Katzen und Meerschweinchen. In Ferien- oder Krankheitszeiten übernehmen die Kinder auch die Organisation der Vertretung.

Helfen mit Freude

Alexandra Hirsch will helfen – und das mit Freude. Kinder stark zu machen ist ihre Lebensaufgabe. Und die Tiere auf dem Hof sind dabei wertvolle Hilfstherapeuten. Die Kinder lernen, dass ein Jahr 365 Tage hat. Täglich sind sie für die ihnen anvertrauten Tiere da – mit 90 Prozent Spaß und 10 Prozent Arbeit. “Und somit müssen wir nicht aus Therapiezwecken zu den Delfinen fahren”, sagt Alexandra Hirsch. Und so ganz nebenbei kann Lebensgefährte Josef mit der Betreuung und der Aufzucht von Pferden auch noch seiner Leidenschaft nachgehen. Beide kümmern sich nicht nur um hilfebedürftige junge Menschen, sondern auch noch um die vom Aussterben bedrohten Haustierrassen, die auf ihrem kleinen Hof leben.

Swenja Luttermann, Albert-Schweitzer-Familienwerk Niedersachsen