Celina Löschau / Neue Schule für Fotografie Berlin / Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser (NbF e.V.) / CC BY-NC 4.0

Anfang Juli hat das Bundeskriminalamt in Berlin das neue Lagebild zu Häuslicher Gewalt vorgestellt. Die Zahl der Opfer lag im Jahr 2022 bei 240.547 – und stieg damit um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Umso wichtiger sind Hilfsangebote und Schutzräume für Betroffene – wie das Frauen- und Kinderschutzhaus im Hohenlohekreis des Albert-Schweitzer-Kinderdorf-Vereins Baden-Württemberg.

Häusliche Gewalt beinhaltet alle Formen körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt. Neben der Partnerschaftsgewalt werden auch die Delikte der so genannten innerfamiliären Gewalt von und gegen Kinder, Eltern, Geschwister und sonstige Angehörige mitbetrachtet.

Tatsächlich trifft Gewalt im häuslichen Kontext überwiegend Frauen, wie die Zahlen für 2002 belegen: 80,1 Prozent der Opfer von Partnerschaftsgewalt und 71,1 Prozent der Opfer Häuslicher Gewalt insgesamt sind weiblich. Von den Tatverdächtigen bei Partnerschaftsgewalt sind 78,3 Prozent Männer, im Gesamtbereich der Häuslichen Gewalt 76,3 Prozent.

Bundesfamilienministerin Lisa Paus erklärte beim Pressetermin in Berlin: „Frauen müssen überall in Deutschland einen sicheren Zufluchtsort und kompetente Beratung und Hilfe finden.“ Notwendig sei ein flächendeckendes, niedrigschwelliges Unterstützungsangebot, in der Stadt genauso wie auf dem Land. Bundesinnenministerin Nancy Faeser betonte: „Das Lagebild sollte jeden aufrütteln: Häusliche Gewalt ist Alltag in Deutschland. Niemand darf die Betroffenen dmit allein lassen. Häusliche Gewalt ist keine Privatsache, sondern ein gravierendes Problem in allen gesellschaftlichen Gruppen. Gewalt im engsten Umfeld betrifft viele Frauen, aber auch Kinder oder Pflegebedürftige.“

Im Frauen- und Kinderschutzhaus im Hohenlohekreises leben aktuell vier Frauen und acht Kinder. Die Frauen haben in ihrer Beziehung physische und psychische Gewalt erlebt, wurden bedroht, geschlagen und gedemütigt. Ihre Kinder haben all das miterlebt oder wurden selbst zu Opfern. Nun können sie zur Ruhe kommen und überlegen, wie es weitergehen kann. Auf ihrem Weg in ein gewaltfreies Leben werden sie vom Team der Zufluchtseinrichtung professionell begleitet und unterstützt.

Seit April 2023 hat das Frauen- und Kinderschutzhaus eine neue Leitung: Heidrun Ellwanger (kleines Foto). Die 44-jährige Diplom-Sozialpädagogin war zuvor viele Jahre als Heimleiterin sowie im Sozialdienst in der stationären Altenhilfe tätig. Im Frühjahr trat sie dann die Nachfolge von Andrea Bühler an, die zu Beginn des Jahres in den Ruhestand verabschiedet wurde. „Die Arbeit mit den Frauen und Kindern ist manchmal herausfordernd, aber meistens macht sie einfach nur Spaß und ist unglaublich erfüllend“, beschreibt Heidrun Ellwanger ihre neue Tätigkeit. Und die Zahlen zeigen: Sie ist wahnsinnig wichtig.

Die Adresse des Frauen- und Kinderschutzhauses ist geheim. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für den Schutz der Bewohnerinnen. Erreichbar ist die Einrichtung telefonisch unter 0 79 40 / 58 95 4 oder 0157 / 7887 7751 (mobile Beratung, tagsüber). Mehr Infos gibt es unter www.frauenhaus-hohenlohe.de

Betroffene, die in anderen Regionen Deutschlands leben, können sich rund um die Uhr kostenfrei und anonym an das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen wenden: 116 016

Frauen in Not können darüber hinaus jederzeit den Notruf der Polizei kontaktieren unter 110.

Sabrina Banze, Bundesverband

Symbolfoto: Celina Löschau / Neue Schule für Fotografie Berlin / Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser (NbF e.V.) / CC BY-NC 4.0

Kleines Foto: Kinderdorf Waldenburg

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