In den 60 Jahren seiner Geschichte hat das Albert-Schweitzer-Kinderdorf Baden-Württemberg die großen pädagogischen Entwicklungen in der Heimerziehung und Jugendhilfe nicht nur erlebt, sondern auch mitgestaltet. Waren früher Kinderheime geprägt vom Disziplinierungs- und Verwahrungsgedanken, so haben sich viele von ihnen heute zu pädagogischen Fachinstitutionen entwickelt. Förderung und gezielte Hilfen sind die wichtigsten Elemente der vielfältigen Hilfsangebote.

Kinderdorf – ein neues pädagogisches Konzept

Bei der Gründung 1957 waren Kinderdörfer, also die familiäre Betreuung von Kindern, fast noch revolutionär. Eine richtungsweisende Entscheidung des Kinderdorfes war, das Familienprinzip mit einem Hauselternpaar einzuführen. Feste Bezugspersonen mit Mann und Frau konnten so den aufgenommenen Kindern Geborgenheit und Sicherheit geben. Im Unterschied zu anderen Heimeinrichtungen wurden in Waldenburg von Anfang an Mädchen und Jungen aller Konfessionen und unterschiedlicher Hautfarbe aufgenommen.

Starke Familien – starke Kinder

Mitsprache für alle

Angeregt durch die gesellschaftlichen Debatten der 1970er Jahren haben sich die Strukturen im Kinderdorf fortwährend demokratisiert. In Treffen für die Hausleitung, Gruppenleitung, Praktikan-ten, Hauswirtschaft oder der Kinder- und Jugendkonferenz werden seitdem alle Beteiligten im Kin-derdorf eingebunden. Partizipation auf allen Ebenen gehört heute zum festen Konzept. Alle zwei Jahre findet die Open-Space-Veranstaltung statt, bei der die Mitarbeiter Gelegenheit haben, die Themen, die ihnen am Herzen liegen, offen anzusprechen.

Der Ehemaligenrat in 2016

Anlaufstelle für Ehemalige

Der Betreuung der ehemaligen Pflegekinder ist lange Zeit von Pädagogik und Politik kaum Beachtung geschenkt worden. Das Albert-Schweitzer-Kinderdorf engagiert sich bereits seit über 30 Jahren in der Ehemaligenbetreuung, denn der gegenseitige Austausch und eine kompetente Beratung sind entscheidende Voraussetzungen für einen geglückten Weg in ein selbständiges Leben. Alle zwei Jahre findet im Kinderdorf ein Ehemaligentreffen statt. 1984 wurde der Ehemaligenrat gegründet, der die Angelegenheiten der Ehemaligen im Kinderdorf vertritt. Aus ihren Berichten lernen wir für heute und die Zukunft.

Mehr als nur ein Kinderdorf

Verantwortung für Kinder zu übernehmen bedeutet auch, Eltern zu unterstützen und Kinder präventiv vor Gefahren wie Gewalt und sexuellem Missbrauch zu schützen. Unterstützt durch unser Engagement sind in den umliegenden Städten und Gemeinden vielfältige Angebote für junge Menschen entstanden. Gerade in der Gewaltprävention setzt das Kinderdorf starke Impulse ebenso wie in der Betreuung der Kinder und Jugendlichen im Hohenlohekreis durch Schulsozialarbeit und Jugendreferate.

Ein Blick in die Zukunft

Wie sehr sich das Familienprinzip nach 60 Jahren bewährt hat, zeigen die Ehemaligen. Viele bleiben dem Kinderdorf auch als Erwachsene verbunden. Auch in Zukunft bieten wir Kindern einen sicheren Ort, um ihnen bestmögliche Entwicklungschancen zu geben.
Fortbildungen sowie die Auseinandersetzung mit neuen pädagogischen Erkenntnissen und dem gesellschaftlichen Wandel führen zu einer ständigen Weiterentwicklung des Kinderdorfes. Kerngedanke ist und bleibt aber Albert Schweitzers Botschaft der „Ehrfurcht vor dem Leben“.

Heinrich Schüz, Eva Seibel, Kinderdorf Waldenburg

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