Ankunft im Kinderdorf – das ist für alle ein aufregendes, und vor allem emotionales Ereignis. Kinderdorfmutter Christine Sarnow steht nervös vor ihrem Haus und beobachtet den Eingangsbereich. Heute Morgen hat sie einen Anruf bekommen; schon in weniger als einer Stunde wird ein neuer Schützling bei ihr einziehen.

Christine Sarnow blieb nicht viel Vorbereitungszeit. Sie lässt sich die wenigen Infos, die sie hat noch einmal durch den Kopf gehen. „Es ist ein bisschen wie schwanger sein“ sagt sie mit einem Augenzwinkern. Sie spielt gedanklich mit der Ungewissheit, wie es sein wird, wenn das Kind ankommt. „Eine spontane Notaufnahme ist ein bisschen wie eine Sturzgeburt. Völlig unvorbereitet wird alles auf den Kopf gestellt.“

Ein Rebell kommt an
Die Aufnahme von Xara wird so ein Moment. Christine Sarnow steht draußen, als sie ankommt und verfolgt von weitem Xaras heftige Reaktionen. Das Mädchen schreit und tritt nach ihrer Begleitung. Alles, was sie offenbar nicht will, ist im Kinderdorf zu bleiben. Einmal tief durchatmen heißt die Devise, dann tritt Christine Sarnow auf Xara zu. Irgendwie mag sie dieses „rebellische“ Mädchen. „Sie erinnert mich an mich selber, als ich ein Kind war, das seinen Willen nicht bekommt“ schmunzelt sie. Xara lässt sie die Wahl, solange weiterzutoben wie das Mädchen es will, oder aber mitzukommen und sich erst einmal umzuschauen.

Die Weichen für einen Neuanfang
„Der erste Tag, der Moment des Ankommens ist ein wichtiger Augenblick. Zu spüren, dass man nach allen schrecklichen Erlebnissen nun „ankommen“ kann und Geborgenheit findet ist etwas Unersetzliches, das man jedem Kind mit auf den Weg geben sollte. Ebenso lernen sie aber auch schnell, dass sie ein „Teamplayer“ sein müssen.“

Swenja Luttermann, Familienwerk Niedersachsen

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